Marvin Bürger als jüngster Teilnehmer

Marvin Bürgers Erlebnisse als jüngster Teilnehmer beim 30. Ötztaler Radmarathon am 28.08.2011: „Ich habe einen Traum“… so der Werbespruch des Ötztaler Radmarathon.

Es muss wohl an der unglaublichen Herausforderung liegen, 5500 Höhenmeter an einem einzigen Tag zu fahren. Auf einer Strecke von 238 km, wo man sich körperlich nur in den Abfahrten erholen kann (die Konzentration auf den Abfahrten ist auch sehr nervenzehrend), weil es sonst immer Berg auf geht. Ich wusste es wird mir dort sehr viel abverlangt (ein Minimum von 5000 Trainingskilometern ist angeraten). Aber ich wollte die Herausforderung unbedingt annehmen.

Mit einer Sondergenehmigung der Rennleitung konnte ich als jüngster Teilnehmer bereits mit 15 Jahren (eigentlich ist die Teilnahme erst mit 16 Jahren erlaubt) am Rennen teilnehmen, erst am nächsten Tag wurde ich 16 Jahre alt. Bereits am Tag der Ankunft wurde ich vom Österreichischen Fernsehteam (Servus TV) empfangen, sie wollten von mir ein Interview für Ihre Sportdokumentation am 27.09.2011 um 21.05 Uhr über den Ötztaler Radmarathon.

Um 6:45 erfolgte dann der Start. Am Weg nach Ötz hinaus hieß das Motto: Sehr konzentriert auf seinem geliebten Fahrrad zu sitzen. Auf dem Weg nach Ötz bemerkte ich, dass ich fit war und das anstrengende Training seine Wirkung nicht verfehlt hat. Ob es jedoch so bleibt, wusste ich bis dahin noch nicht. Erst mal musste ich die erste Steigung hoch zum Kühtai (2017 m) bestehen. Oben am Kühtai kurz gestärkt; ich habe immer darauf geachtet, dass ich mich nicht zu früh verausgabe. Darum bin ich es vorsichtig angegangen. Es ging zur 2. Abfahrt nach Innsbruck zwischen freilaufenden Kühen und durch eine wunderbare Landschaft, da ist es manchmal schon schwer, konzentriert zu bleiben. Die nächste Steigung zum Brenner (1374 m) lag vor mir. Oben an der Brenner Labestation wartete das Fernsehteam auf mich und beobachtete, wie ich mich durch die Labe kämpfte. Im Gegensatz zum Kühtai war der Brenner eine Spazierfahrt, aber ich wusste ja, dass es nicht so bleibt, und so konzentrierte ich mich auf meine nächste Herausforderung, den Jaufenpass (2094 m). Ich dachte mir, wenn du den jetzt gut schaffst, dann schaffst du auch noch den Rest.
An der Labestation schnell eine Dose Red Bull, eine Banane und die Trinkflasche wieder neu gefüllt, dann ging der richtige Angriff los auf das Timmelsjoch (2509m). Das Timmelsjoch gehört wohl zu den schwersten Pässen im Alpenraum überhaupt, denn er ist eine 29 km lange Steigung mit ca. 1700 Höhenmetern und wartet mit unangenehm hohen Steigungsprozenten auf. Ich quälte mich noch die letzten Kilometer hoch, bis es dann endlich zur Abfahrt kam, mitten drin noch ein kurzer Gegenanstieg und nach 10 Stunden und 26 Minuten war ich endlich im Ziel – Wow was für ein gutes Gefühl … unglaublich toll.

Klassenrang 546, für mich mit meiner ersten Teilnahme auch eine tolle Platzierung…. Ich habe meinen Traum!!! Das war mein Motto von Anfang an: Ankommen im Zeitlimit; mein Soll habe ich mehr als erfüllt… und ich bin stolz es geschafft zu haben.